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Weltmeisterschaften

Klassifizierung

Im Para Sport starten Athletinnen und Athleten mit ganz unterschiedlichen Behinderungen und Bewegungsmöglichkeiten. Um möglichst faire und vergleichbare Bedingungen zu schaffen, werden sie für die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen innerhalb ihrer Sportart in unterschiedliche Startklassen eingeteilt – das nennt man Klassifizierung.

Die Richtlinien und Vorgaben der Klassifizierung werden vom Paralympischen Weltverband – dem IPC – und den jeweiligen internationalen Sportverbänden unter Hinzunahme von internationalen Experten entwickelt. Ziel der Klassifizierung sind faire Wettkämpfe und ein spannender Leistungsvergleich. Nicht die Behinderung soll über Sieg oder Niederlage im paralympischen Wettkampf entscheiden, sondern die  individuellen Fähig- und Fertigkeiten der Sportler*innen, die antrainierte Fitness, Kraft und Ausdauer sowie taktisches Geschick und mentale Stärke. Für jede Sportart gibt es ein eigenes Klassifizierungssystem. Entscheidend ist dabei, welchen Einfluss die jeweilige Behinderung auf das Ausüben der Sportart hat - und nicht die Art der Behinderung. Dadurch kann es auch sein, dass Athlet*innen, die von der optischen Erscheinung her unterschiedliche Behinderungen haben, in der gleichen Startklasse gegeneinander antreten, da sie vergleichbare Voraussetzungen haben.

Insgesamt gibt es zehn verschiedene Arten von Beeinträchtigungen, die zur Teilnahme an den Paralympischen Spielen berechtigen und mit denen Sportler*innen klassifizierbar sind. Das bedeutet auch: Nicht jede*r Sportler*in mit Behinderung kann für internationale Wettkämpfe in paralympischen Sportarten klassifiziert werden, da dies an festgelegte Kriterien geknüpft ist. Anders ist es auf nationaler Ebene: Hier können auch andere bzw. abweichende Voraussetzungen für die Teilnahme an Wettbewerben gelten, sodass in einigen Sportarten auch Athlet*innen ohne die vom Internationalen Paralympischen Komitee festgelegten Beeinträchtigungen teilnehmen können. Wer Klassifizierer*in werden möchte, muss Vorkenntnisse aus den Bereichen Medizin oder Sport mitbringen. So können unter anderem Sportwissenschaftler*innen, Physiotherapeut*innen oder Ärzt*innen zu Klassifizierer*innen ausgebildet werden. Die Ausbildung erfolgt bei den internationalen Verbänden der jeweiligen Sportarten. Danach ist man nicht auf sich allein gestellt: Denn Klassifizierer*innen arbeiten grundsätzlich zu zweit. Der Vorgang der Klassifizierung ist in mehrere Bausteine aufgeteilt. Im ersten Schritt reichen die Sportler*innen ihre medizinischen Unterlagen und Gutachten ein. Anschließend werden die jeweiligen Behinderungen und individuellen Bewegungsmöglichkeiten grundsätzlich untersucht. Zusätzlich müssen die Athlet*innen sportartspezifische Tests unter der Beobachtung der Klassifizierer*innen durchführen - dies kann auch die Begutachtung im Wettkampf umfassen, damit gewährleistet ist, dass die Sportler*innen ihr Leistungsmaximum abrufen. Die Vielzahl an gesammelten Informationen der unterschiedlichen Bausteine bildet schließlich die Basis für die Zuordnung zu einer Startklasse. Die Zuteilung zu einer Startklasse gilt nicht grundsätzlich für immer. Wenn sich beispielsweise die Behinderung einer*s Athlet*in verändert oder der internationale Verband neue Regularien einführt, werden Athleten neu klassifiziert. Das Klassifizierungssystem im Para Sport ist sehr komplex und für Außenstehende vielleicht auch nicht immer ganz nachvollziehbar. Obwohl es auf langjährigen Erfahrungen sowie sportwissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen basiert, ist es nicht frei von Diskussionen und Kritik. Das System wird deshalb stetig weiterentwickelt – und das ist auch richtig und notwendig: Schließlich ist es die Grundlage für einen fairen und vergleichbaren Wettkampf im Para Sport. Für den Erfolg ist jedoch weniger die Klassifizierung entscheidend als vielmehr die Athletinnen und Athleten selbst mit ihrer persönlichen Leistung.

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