Piktogramm_Para_Leichtathletik

Para
Leicht­athletik

Etwa 10 Minuten Lesedauer
Titel Frontend

3.7 | Sichtung und Förderung bei kleiner Grundgesamtheit

Eine weitere Besonderheit des Para Sports ist die deutlich kleinere Grundgesamtheit aller Menschen mit Behinderung, aus der Para Sportler rekrutiert werden können. Entsprechend geringer ist auch die Anzahl an Wettkämpfern in der Para Leichtathletik. Das ist für die Talenterkennung, -bindung und -förderung bis in den Hochleistungsbereich von Bedeutung. Darauf soll nachfolgend eingegangen werden.

3.7.1 Umfassender Talent-Begriff

Grundsätzlich gelten die gleichen personengebundenen Talent- bzw. Auswahlkriterien für Menschen mit wie ohne Behinderung: Gute Koordinations- und Schnelligkeitsleistungen, eine rasche Auffassungsgabe bzw. hohe motorische Lernfähigkeit, körperliche Robustheit bei steigenden Trainingsbelastungen, nicht zuletzt die Motivation für ein langdauerndes Training sind wichtige Eingangsvoraussetzungen für beinahe jede Sportart. Diese Eigenschaften unterscheiden sich in ähnlicher Form bei Menschen mit wie ohne Behinderung. Das Vorurteil, dass Menschen mit Behinderung pauschal „unsportlich“ wären, ist mittlerweile überholt. Dazu haben die steigenden Leistungen der Para Athleten, aber auch die Übertragung der Paralympics in den öffentlich-rechtlichen Medien beigetragen. Auch in der Para Leichtathletik werden junge Menschen mit den vorgenannten Voraussetzungen gesucht und versucht, sie einem systematischen Training zuzuführen. Im Kindesalter sind die „sportlichen“ den anderen Kindern häufig in fast allen motorischen Belangen überlegen, „die Besseren sind die Besseren“, sie sind insofern gut identifizierbar (Abb. 3.40).

Abb. 3.37

Abb. 3.38 Junge Para Sportlerin zeigt ihre Begabung beim Weitsprung

Erst später, im Jugendalter, während und nach der Pubertät, wenn die Spezialisierungsphase beginnt (s. u., Kap. 4 und 6), werden zusätzlich einzelne Eigenschaften besonders bedeutsam wie die aerobe Kapazität für Ausdauersportarten oder hohe Schnellkraftwerte für Sprint, Sprung und Wurf. Nicht nur die Anatomie und Physiologie der Sportler, sondern auch die motorische Intelligenz und Willensstärke sind wichtige Auswahlkriterien, wenn man auf eine langfristige Ausbildung und Entwicklung abzielt. Diese disziplinspezifischen Anforderungen muss der Trainer kennen, möchte er einzelnen Sportlern je nach ihren neuromuskulären Anlagen geeignete Disziplinen empfehlen bzw. mit ihnen erproben.

„Als Talent im Spitzensport wird eine Person bezeichnet, die (a) aus retrospektiver Sicht in ihrer Sportlerkarriere bereits nachweislich Spitzenleistungen erbracht hat oder die (b) unter Berücksichtigung des bereits realisierten Trainings im Vergleich mit Referenzgruppen ähnlichen biologischen Entwicklungsstandes und ähnlichen Lebensgewohnheiten überdurchschnittlich sportlich leistungsfähig ist, und bei der man unter Berücksichtigung personinterner (endogener) Leistungsdispositionen und verfügbarer kontextueller (exogener) Förderbedingungen in prospektiver Hinsicht begründbar annimmt oder mathematisch-prognostisch ermittelt, dass sie in einem nachfolgenden Entwicklungsabschnitt sportliche Spitzenleistungen erreichen kann“ (Hohmann, Lames, Letzelter & Pfeifer, 2020, 294).

Moderne Talentdefinitionen wie die von Hohmann et al. berücksichtigen rückblickende (was waren Erfolgsfaktoren?) wie vorausschauende Ansätze (überdurchschnittliche Leistungszuwächse) und weisen zugleich der sportfreundlichen Umgebung (Elternhaus, Bildungseinrichtungen, Sportangebot) einen hohen Stellenwert dafür zu, dass die potentiellen Leistungssportler einen leichten Zugang zu für sie geeignete Sportarten finden (Wegner, Pochstein & Brückner, 2009). Für Para Sportler sind zusätzlich zu den genannten Umweltfaktoren adäquate medizinisch-physiotherapeutische Versorgungsleistungen für die sportliche Entwicklung bedeutsam, wie sie beispielsweise an den Olympia- bzw. paralympischen Stützpunkten bereitgestellt werden (Abb. 3.39). In den gerätegebundenen Startklassen (Rennrollstuhl, Prothesensprint) ist zudem der Zugang zu entsprechenden Trainingsund Wettkampfgeräten sicherzustellen. Wenn sie von Wohnort der Athleten nicht erreichbar sind, muss über einen Standortwechsel nachgedacht werden, soll die Talentperspektive aufrechterhalten werden.

Abb. 3.39

Abb. 3.39 Eines der beiden deutschen paralympischen Trainingszentren: hier Cottbus

Digel et al. (2007f) weisen im Vergleich verschiedener Sportsysteme daraufhin, dass in politisch zentralistischen Systemen Talentgewinnung und -förderung besser gelingen, wie es China bei den jüngsten paralympischen Sommer- wie Winterspielen 2021/2022 demonstrierte.
Doch konnten auch unter demokratischen Bedingungen an einzelnen Standorten (Leverkusen, Cottbus, Nottwil/Schweiz, Abb. 3.40) für die speziellen Bedürfnisse der Para Leichtathletik bzw. des Para Sports entsprechende Infrastrukturen aufgebaut werden, so dass hier ein Training unter professionellen Bedingungen möglich ist. Darüber hinaus gibt es – initiiert durch einzelne engagierte Persönlichkeiten – weitere Standorte/Vereine mit einem guten Angebot für einzelne Startklassen. Je dichter dieses Netz, umso mehr interessierte und talentierte Para Sportler werden ihren Weg in den Wettkampfsport finden (z. B. Radtke & Doll-Tepper, 2009, 10). Daher gilt es von Verbandsseite, geeignete Persönlichkeiten als Führungspersonal zu identifizieren und zu stärken.

Abb. 3.40

Abb. 3.40 Trainingshalle für Rennrollstuhlfahrer mit Laufbandergometer und zahlreichen Rollplätzen in Nottwil/Schweiz

3.7.2 Gelegenheiten zur Rekrutierung von Para Sportlern

Talenterkennung, -gewinnung und erste Förderung sind originäre Aufgaben der Landesverbände und Vereine, während der DBS als Spitzenverband für die weitere Förderung im Aufbau- und Anschlusstraining bis in den Spitzenbereich zuständig ist. Entscheidend für eine erfolgreiche Sichtung von Para Sportlern ist die Kenntnis ihrer Wege im Bildungs- und Vereinssystem. Jugendliche mit geringen motorischen Einschränkungen nehmen zumeist am Regelsport der Schulen und der Vereine teil (DBS-Gesamtkonzept, 2020). Entsprechend können die Jugendlichen auch dort gesichtet und für den Wettkampfsport begeistert werden. Dazu müssen Sportlehrer und Übungsleiter im Sinne einer Multiplikatoren-Schulung systematisch über die Chancen des Para Sports informiert werden,

  • ab welchem Behinderungsgrad die Teilnahme an Wettkämpfen möglich ist
  • welche Förder- und Trainingsmöglichkeiten bestehen und
  • wie die Erfolgschancen sind

Diese Informationspflicht muss vom DBS und seinen Landesverbänden geleistet werden, die dafür unterschiedlichste Maßnahmen, Personal und Orte wählen bzw. selber initiieren können (Tab. 3.14). Erst wenn Eltern und Lehrer ausreichend aufgeklärt und überzeugt sind, werden sie die Kinder/Sportler entsprechend delegieren, weitervermitteln und unterstützen. Dies kann die Empfehlung für eine Eliteschule des Sports oder für Vereine mit Leistungsorientierung sein.
Bei schwerer Behinderung, wie es z. B. die Angewiesenheit auf einen Rollstuhl darstellt, ist eine Inklusion in den normalen Sportunterricht bzw. im Vereinstraining nur durch das besondere Engagement der Beteiligten (Lehrer, Trainer, Eltern, Sportler selbst) möglich, oder aber auch nicht, wenn z. B. zu wenige Lehrer bzw. andere Betreuer an den Schulen verfügbar sind. Dann sollten die Sportaktivitäten von Beginn an in Förderschulen und Vereinen bzw. Abteilungen für den Behindertensport stattfinden, was für die Eltern in der Regel mit einem längeren Anfahrtsweg verbunden ist. In diesen Einrichtungen sind Lehrer und Trainer über die Möglichkeiten des Para Wettkampfsports informiert und können angehenden neuen Sportlern bzw. Schülern entsprechende Angebote machen oder sie wie zuvor beschrieben weiterempfehlen.
Neben den Schulen müssen auch andere Einrichtungen für die Talentfindung kontaktiert werden. Dies ist bei den verschiedenen Behinderungsgruppen ganz unterschiedlich, so gibt es für sehbehinderte und blinde Sportler die Besonderheit der Blindenschulen, deren Anzahl durch die Inklusionsbestrebungen rückläufig ist, aber auch die Vereinigung von Eltern sehbehinderter Kinder, die angesprochen werden können. Die Rollstuhlfahrer haben sogar eine eigene Vereins- und Verbandsstruktur, deren Know-how und Netzwerk für die Talentsichtung genutzt werden kann.
Bei Quereinsteigern, die erst nach Unfall oder Erkrankung Zugang zum Para Sport finden, haben sich in der großen Mehrzahl, Schätzungen gehen von 90 % aus, schon zuvor entsprechende motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten gezeigt, auf die zurückgegriffen bzw. an die in der Para Sport-Karriere angeknüpft werden kann. Auch diese Sportler müssen allerdings erst auf die Möglichkeiten des Para Sports aufmerksam gemacht werden. So kann beispielsweise nach der Amputation eines Unterschenkels und der anschließenden Versorgung mit einer Prothese der Wechsel (z. B. vom Schwimmen) zum Sprint bzw. Weitsprung möglich werden.

Tab. 3.14 Wege zum Leistungssport (erweitert nach Quade, 2009, 18)

Tab. 3.14
3.7.3 Reduzierte Grundgesamtheit und ihre Folgen

Eingangs dieses Kapitels wurde auf die kleinere Grundgesamtheit im Para Sport hingewiesen. Zwar gibt es in Deutschland ca. 10 Millionen Schwerbehinderte, doch sind nach Quade (2009, 15) davon nur ca. 231.000 unter 25 Jahre alt, also in dem Alter, in dem man gewöhnlich ein systematisches Training aufnimmt.
Tab. 3.15 zeigt, dass 2015 in Deutschland ca. 300.000 Menschen schwerbehinderte Menschen im Alter von 15-45 Jahren leben, also dem Alter, in dem Menschen erfahrungsgemäß Wettkampfsport betreiben. Das entspricht etwa 0,3 % der Bevölkerung. Für den Bereich der Querschnittsgelähmten weist Köpke (2018a, 18) darauf hin, dass in Deutschland jährlich ca. 1.000 Personen eine Querschnittlähmung durch einen Unfall erleiden, davon 70 % Männer, 26 % Frauen und 4 % Kinder. Von diesen erleiden etwa 65 % eine teilweise Lähmung (Paraplegie) und 35 % eine Lähmung aller Gliedmaßen (Tetraplegie, s. o., Kap. 3.2.3).

Tab. 3.15 Altersspezifische Verteilung schwerbehinderter Menschen nach Art der Behinderung in Deutschland (Bundesamt für Statistik 2015, hier nach DBS, 2020, 23)

Tab. 3.15

Auch wenn die Zahl der Menschen mit einer weniger schweren Behinderung (20-50 % GdB bzw. Einschränkung) noch einmal dazu kommt, bleibt der Anteil der jungen Menschen mit Behinderung an der Gesamtbevölkerung bei wenigen Prozentpunkten. Abb. 3.41 veranschaulicht noch einmal, dass erst im höheren Alter, ab 55 Jahren, der Anteil von Menschen mit Behinderung deutlich ansteigt, die dann aber nur selten am Wettkampfsport teilnehmen.

Abb. 3.41

Abb. 3.41 Anteil von Menschen mit Schwerbehinderung an der Bevölkerung nach Altersgruppen (Statistisches Bundesamt, 2013)

Wie bei Menschen ohne Behinderung auch nimmt nur ein Bruchteil der Menschen mit Behinderung am Leistungssport teil. Herzog (2009, 145) weis darauf hin, dass sich ca. 5 % der Rollstuhlfahrer leistungssportlich orientierten. Quade (2009) schätzt, dass von den 300.000 jungen Menschen mit Behinderung ca. 46.000 klassifizierbar ist. Von denen weisen nur ca. 2 %, also knapp 1.000, ein sportartspezifisches Talent auf.
Die Gruppe sportinteressierter, veranlagter Menschen mit Behinderung muss sich dann noch auf die verschiedenen Sportarten und dort auf die zahlreichen Startklassen verteilen (s. o., Tab. 3.13). Das hat für die Organisation des Behindertensports erhebliche Folgen, kann doch kein vergleichbares Netz an Trainingsgruppen/Mannschaften auf den verschiedenen Alters-/Leistungsniveaus sichergestellt werden. Das unterstreicht die Wichtigkeit der Teilnahmemöglichkeit am Training und Wettkampf gemischter Gruppen, also von Sportlern ohne und mit Behinderungen.
Die geringe Dichte erschwert eine systematische, kontinuierliche Talentsichtung, So treffen Lehrer an Regelschulen nur selten auf sportinteressierte Schüler mit Behinderung und sind unzureichend informiert, diese angemessen zu fördern bzw. sie an geeignete Einrichtungen weiterzuleiten. Falls nicht anders organisiert, muss die Talentsuche von anderen, z. B. den Trainern geleistet werden. Einzelne Landesverbände haben in jüngster Zeit – durch öffentliche Förderung ermöglicht – Talentsucher, sogenannte „Talent-Scouts“, angestellt, die systematisch nach sportinteressierten jungen Menschen mit Behinderung suchen, um sie für den Sport zu gewinnen.

3.7.4 Höheres Einstiegsalter und längere Verweildauer

Weil ein erheblicher Anteil der Para Sportler erst nach Ausbruch einer Erkrankung oder nach einem Unfall im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter zum Para Sport stößt bzw. klassifizierbar ist, kann ihre Karriere auch erst dann beginnen. Entsprechend wird der Begriff „Nachwuchs“ im Para Sport weiter gefasst als im olympischen Sport. Bis zum Alter von 26 Jahren können geeignete Sportler noch im Nachwuchskader erfasst und gefördert werden. Dieses höhere Eintrittsalter führt auch zu einem um ca. 5 Jahre höheren Durchschnittsalter der Para Athleten. Quade (2009) ermittelte, dass nur 25 % der Teilnehmer an den Paralympics 2008 in Peking jünger als 25 Jahre, entsprechend 75 % älter waren.
Einmal im Para Wettkampfsystem angekommen, ist auch die durchschnittliche Verweildauer erhöht bzw. verlängert. Das mag daran liegen, dass sich die Athleten schon bei Eintritt in das Wettkampfsystem – anders als in den olympischen Sportarten, in denen man schon als Jugendlicher bzw. Kind Wettkampferfahrungen sammelt – in einer gefestigten Lebensphase befinden und ihre einmal gefällte Entscheidung, Wettkampfsport zu betreiben, von größerer Nachhaltigkeit ist.
Ein weiterer, besonderer Faktor des Para Sports ist die zuvor erläuterte geringere Leistungsdichte, die es erleichtert, eine einmal erreichte Position, z. B. als Medaillenanwärter bei nationalen oder internationalen Meisterschaften/Paralympics, über einen größeren Zeitraum zu behaupten als in den olympischen Konkurrenzen. Erfahrungsgemäß können Athleten in den „Sitzend“-Startklassen, da noch einmal verstärkt in den Wurfdisziplinen, deutlich länger international erfolgreich seinDie untere Extremität, insbesondere Sprunggelenk, Fuß und Achillessehnen, stellen sich als Nadelöhr für den Verbleib im Leistungssport heraus. Die großen, rumpfnäheren Muskelgruppen (Gluteus, Quadrizeps) produzieren einen Kraftimpuls, der über die Füße auf den Boden abgeleitet wird. Entsprechend kommt es hier zu Verformungen, Quetschungen und anderen Belastungen, die mit zunehmendem Alter und nachlassender Durchblutung/langsame Erholung der Gewebe, karrierelimitierend werden. Für Sitzwerfer spielt das keine Rolle, einzelne Athleten wechseln im Alter sogar zum Sitzwurf. Entsprechend älter werden die Athleten., wie es zahlreiche deutscher Spitzenathleten belegen (Abb. 3.42). Durch die fortgesetzte Förderung wird zudem das Verweilen im Wettkampfsystem, in Einzelfällen über das 60. Lebensjahr hinaus begünstigt. Ältere Athleten beenden ihre Sport-Karriere nicht (nur) aufgrund langwieriger Verletzungen, sondern wegen einer Erkrankung bzw. deren Verschlimmerung.

Abb. 3.42

Abb. 3.42 Martina Willing konnte in der Startklasse F56 mit 61 Jahren Europameisterin werden (btr)

Dadurch, dass die Athleten absolut älter und auch trainingsälter bzw. erfahrener sind, haben sie eine größere Einsicht in die sportbezogenen Abläufe. Dies wird durch den reflektierenden Umgang mit der Behinderung bzw. das große Know-how über die erforderlichen Wettkampfgeräte noch einmal verstärkt, so dass ältere Para Athleten zu selbstständigen und sachkundigen Partnern der Trainer werden (siehe auch Kap. 9).

3.7.5 Überwindung von strukturellen Hindernissen

Was mittlerweile auch in einzelnen olympischen Sportarten zunehmend zum Problem wird, nämlich genügend geeignete oder auch nur interessierte Sportler zu finden, um eine Trainingsgruppe aufzubauen oder zu erhalten, Sperlich, Sperlich und Killing (2021) sprechen vom „Unterschreiten der kritischen Masse“, ist im Para Sport aus verschiedenen Gründen noch einmal deutlich schwieriger:

  • Die zuvor beschriebene kleine Grundgesamtheit von Menschen mit Behinderung
  • von denen nur ein Teil Leistungssport betreibt (s. o.)
  • durch die weitere Aufteilung auf verschiedene Startklassen reduzierte Leistungsdichte
  • gesellschaftliche Vorbehalte gegen Leistungssport für Menschen mit Behinderung
  • diese Vorbehalte noch einmal verstärkt für bzw. bei Frauen
  • Ängste der Vereine bzw. Trainer, Sportler mit Behinderung in ihre Gruppen aufzunehmen
  • kein flächendeckendes Trainingsangebot für Menschen mit Behinderung
  • Verbot für Ärzte und Lehrer, Adressen von Patienten/Schülern nach Unfall/Operation/Erkrankung an Vereine bzw. Verbände weiterzuleiten
  • Sorge des familialen Umfeldes, dass sich ihre Kinder beim Sport überfordern
  • erschwerte Mobilität bzw. vermehrter Zeitaufwand für längere Anfahrten

All das erschwert Menschen mit Behinderung den Zugang zu einem angemessenen Sportangebot. Will der Trainer vor diesen Umständen nicht kapitulieren, sondern trotzdem zahlenmäßig ausreichende, leistungsfähige Trainingsgruppen aufbauen bzw. erhalten, muss er entsprechend Strategien entwickeln und ein Netzwerk spannen (siehe auch Tab. 3.14):

  • Mund-zu-Mund-Werbung durch Mitglieder der Trainingsgruppe
  • Kontaktnetz der in Vereinen/Verbänden zuständigen Personen zu Kindergärten,
  • Schulen, Ärzten, Physiotherapeuten und orthopädischen Schuhmachern
  • Fortgesetzte Öffentlichkeitsarbeit über lokale Medien, Schnupperangebote
  • Vorbildwirkung erfolgreicher Sportler gezielt zur Anwerbung einsetzen

Dort, wo nachhaltig Para leichtathletische Trainingsgruppen existieren, findet man diese und noch andere Strategien zur Nachwuchssicherung, jeweils unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der individuellen „Handschrift“ der Betreiber.